Über 100 Fotos von Kurt Schwarz aus dem WF jetzt online

Über 100 Fotos von Kurt Schwarz aus dem WF jetzt online

Ost-Berliner Lebenswelten 1958-1990 – Erschließung und Onlinepräsentation des Negativarchivs des Fotografen Kurt Schwarz.
So lautet der Titel eines Projektes des Industriesalons, das seit Februar 2021 eine finanzielle Förderung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa erhält und von Digis unterstützt wird.

Kurt Schwarz (* 1937 in Berlin) war als freier Fotograf in der DDR tätig und hat sowohl als Fotojournalist als auch als Werbefotograf in fast allen Bereichen der Bildreportage und professionellen Fotografie gearbeitet.

Nach der Ausbildung zum Fotografen während seines Volontariats bei der Berliner Zeitung 1959-1961 absolvierte er 1961 bis 1968 ein Fernstudium an der Fakultät für Journalistik in Leipzig mit dem Abschluss als Bildjournalist.
Seit 1962 war er regelmäßig freiberuflich als Nachrichtenfotograf für die „Berliner Zeitung“ tätig, dazu kamen Fotoreportagen für Magazine wie z.B. der „NBI“ (Neue Berliner Illustrierte) und dem „Horizont“. Seit Anfang der 1970er Jahre war er auch in der Werbefotografie tätig: Produktaufnahmen von Technik, Design, Mode, für Messen und Ausstellungen, u.a. eben auch für das „Werk für Fernsehelektronik“ (WF), die „Exquisit“-Ladenkette, der VEB Uhrenwerk Ruhla und den Außenhandelsbetrieb Möbel – Papier.
Von 1990 bis 1993 war er dann erneut für die Redaktion der Berliner Zeitung im wiedervereinigten Berlin tätig. Anfang der 1990er Jahre arbeitete er zudem als Fotograf für eine Kundenzeitung für die Volkswagen-Autohäuser in den neuen Bundesländern, seine Dienstreisen nutzte er auch dazu, um fotografisch die Nachwendezeit zu dokumentieren. 1998 verließ er seine Heimatstadt Berlin und zog nach Mönkebude am Stettiner Haff. Als begeisterter Segler waren seitdem die Natur, das Meer und die Küstenlandschaften seine bevorzugten Fotomotive.

Kurt Schwarz ist ein Chronist einer verschwundenen Wirklichkeit. Seine Fotos beleuchten die Arbeits- und Lebensbedingungen der ostdeutschen Gesellschaft auch jenseits des offiziellen „Wunschbildes der Partei“. Mit einem Gespür für den richtigen Moment gelang es ihm, oft mit leichter Hand, Menschen und Situationen in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft der DDR in ihrem natürlichen Umfeld festzuhalten. Die Qualität seiner Bildsprache kann sich durchaus mit den anderen Größen der DDR-Fotografie messen, wie z.B. Roger Melis, der sein Freund war und genau wie er als freier Fotograf u.a. für die „Neue Berliner Illustrierte“ und die Handelskette „Exquisit“ arbeitete.

Ziel dieses Projektes des Industriesalons ist es, das breitgefächerte und faszinierendes fotografische Lebenswerk von Kurt Schwarz anhand einer Auswahl von rd. 1600 Fotos online zugänglich zu machen. Projektleiter ist Steffen Wedepohl und wie für die anderen Fotos/ Archivalien aus dem Industriesalon nutzen wir als Datenbank und Präsentationsplatform museum-digital.

Als Steffen im Sommer 2020 den Antrag für Digis schrieb, waren mehrere Besuche vor Ort bei Kurt Schwarz geplant, um dort gemeinsam die Auswahl zu treffen. Nicht geplant war, dass Deutschland von der Bundesregierung seit Nov. 2020 schon wieder in einen Monate andauernden Lockdown geschickt werden würde, was die geplanten Besuche bisher unmöglich machte. Herr Schwarz hat sich dann allein daran gemacht, sein Lebenswerk von über 20 000 Fotos/ Negativstreifen zu sichten und uns die ersten Kartons mit Negativen zukommen lassen. Die meisten Negativtaschen sind grob beschriftet mit Angaben zum Thema und Jahr.

Nicht geplant war auch, dass ZEFYS, das bei der Staatsbibliothek Berlin angesiedelte Zeitschrifteninformationsportal, in dem mehrere DDR-Zeitungen online durchsuchbar waren, Opfer eines Hacker-Angriff würde und daher seit mehreren Monaten nicht mehr benutzt werden kann. Dies erschwert es uns natürlich sehr eine genauere Bildbeschriftung. Aber wir hoffen, dass ZEFYS bald wieder richtig funktionieren wird.

Da war in den ersten 2 Monaten nun nicht so vorgehen konnten, wie eigentlich geplant, haben wir erst einmal im WF-Archiv gesucht, was an interessanten Fotos in brauchbarer Qualität vorliegt, und wir sind auch fündig geworden. Einige der Fotos hatten bei einem ersten Kontaktbesuch bei Herrn Schwarz schon ihren Weg nach Berlin gefunden, viele davon auch in das Buch „Röhren aus Schöneweide“, dass Steffen Wedepohl und Albert Markert herausgegeben haben.

Und so sind erst einmal rd. 100 Fotos von Kurt Schwarz, die er für das Werk für Fernsehelektronik aufgenommen hat, online auf museum-digital verfügbar. Da es bei diesem Projekt nicht um das WF geht, sondern um das Lebenswerk eines vielseitigen Fotografen, sollen in den nächsten Monaten Fotos zu anderen Themen als „WF“ digitalisiert und online präsentiert werden.

Vorige Woche erhielten wir die ersten Kartons mit Negativen von Kurt Schwarz. Nun beginnt die Qual der (Aus-)Wahl.

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