Kinderbetreuung im WF, Folge 3

Kinderbetreuung im WF, Folge 3

Das Kinderwochenheim „Neue Mühle“

Das Objekt „Neue Mühle“ in der Tiergartenstraße in Königs Wusterhausen war vermutlich durch die NEF mit ins „HF – Werk für Fernmeldewesen“ gebracht worden.
Ein Mitbewohner des Hauses, in dem Rudi Müller, zunächst Direktor für das Personalwesen in der NEF, wohnte, war seit Ende 1946 vom Wasserstraßenamt mit der Freimachung der Dahme von Kriegsmaterial und Zerstörungen beauftragt gewesen. Dabei war er auf das Haus in der Tiergartenstraße aufmerksam geworden, das nur über Kriegszerstörungen wie kaputte Fenster und Türen aufwies. Da er wusste, dass Müller auf der Suchen nach einem Ferienheim für sein Werk war, machte er ihn darauf aufmerksam. Das Wasserstraßenamt fertigte einen Überlassungsvertrag an und übergab das Grundstück 1947 [1] der NEF/ dem HF mit der Auflage, für alle Wartungskosten selbst aufzukommen. Außerdem wurden 8 Kubikmeter Schnittholz für die Renovierungsarbeiten zur Verfügung gestellt.[2]
Das Haus, das heute noch existiert, befindet sich dicht an der Alten Schleuse im Ortsteil „Neue Mühle“ auf einem rd. 10 000 qm großen Grundstück.
Nach einer ersten provisorischen Instandsetzung und Renovierung, vorwiegend durch den „freiwilligen“ Arbeitseinsatz von Werksangehörigen, diente das Haus als Ferienheim für die im Werk Beschäftigten. Das Heim verfüge sogar über ein Bibliothekszimmer und ein Musikzimmer mit einem Flügel. Allerdings fehlte es bis Ende 1950 noch an Wasch- und Duschgelegenheiten im Haus, aber es gab schon eine Köchin, die die Gäste bekochte. Eine 1950/51 erfolgten erweiterte Renovierungsmaßnahmen, für die Handwerker beauftragt wurden. Dusch- und Waschraum wurden installiert, eine bessere Heizung und Doppelfenster eingebaut, um das Ferienheim ganzjährig nutzen zu können. Auch die Möblierung wurde um Sofagarnituren in den Aufenthaltsräumen ergänzt und die Gästebetten erhielten Federböden. Insgesamt war es für eine Kapazität von max. 35 Gästen eingerichtet, für die 3- und 4-Bett-Zimmer zur Verfügung standen.[3]
Offensichtlich traf das Ferienheim nicht auf die erhoffte Nachfrage und Belegung und so wurde es, nachdem es im Sommer 1952 bereits als Kinderferienlager genutzt worden war,[4] im Herbst 1952 in ein Kinderwochenheim für 3- bis 6-jährige Kinder umgewandelt.[5] Als Ferienheim hatte das HF das Haus „Lebensfreude“ in Neuhaus bei Dierhagen an der Ostsee erworben.

In dem Kinderwochenheim „Neue Mühle“ waren 45 Heimplätze vorgesehen, Tageskinderplätze gab es nicht. Die in der „Neuen Mühle“ untergebrachten Kinder mussten montags zwischen 5.30 und 8.00 Uhr im Kinderheim Agnes Smedley in der Ostendstraße abgegeben werden und wurden dann gemeinsam mit einem Bus nach Königs Wusterhausen gebracht. Samstagvormittags brachte der Bus sie dann wieder zurück in das Kinderheim in der Ostendstraße, wo sie ab 11.15 Uhr abgeholt werden konnten.[6]

Wie beim Kinderwochenheim in der Ostendstraße ging ab Anfang  der 1970er Jahre auch die Nachfrage nach Plätzen in der „Neuen Mühle“ zurück. Ab 1974 war es nicht mehr voll ausgelastet und wurde Mitte 1976 geschlossen. Stattdessen stand das Haus „Neue Mühle“ nach kurzer Renovierung wieder als Ferienobjekt für die Mitarbeiter des WF zur Verfügung, ausdrücklich als Naherholungsheim deklariert. Es standen Betten für 33 Personen zur Verfügung, allerdings ausschließlich für Kurzaufenthalte bis zu 6 Nächten.[7] Die „neue Mühle“ wurde in den folgenden Jahren auch gerne für Schulungen und Tagungen der politischen Organisationen im WF genutzt. In den 1980er Jahren galt es vor allem als Ferienheim für die „Veteranen“ des WF, die keine langen Anreisen zu den anderen Ferienobjekten mehr in Kauf nehmen wollten.

Das Foto stammt aus dem WF-Fotoarchiv und ist im Findbuch mit Juli 1954 datiert. Der Findbuchtext nennt nur „Kinderheim“, aus welchem der beiden 1954 existierenden Kinderheime es stammt, ist leider nicht zu ermitteln.

[1] Vergl. HF-Sender Nr. 4, 8. März1952, S. 8.

[2] Vergl. Bericht von Erwin Okoniewski in: WF-Sender Nr. 7, 1990, S. 8.

[3] Vergl. HF-Sender Sondernummer, Dezember 1950, S. 7 und Nr. 4, 8. März.1952, S. 8.

[4] Vergl. HF-Sender 8, 19. Mai 1952, S.8

[5] Vergl. Kostenstellenverzeichnis ab 1.11.1952, Industriesalon, Archiv_70017.

[6] Vergl. Rundschreiben vom 19. April 1962 von Arbeitsdirektor Steinau zu den Möglichkeiten der sozialen und gesundheitlichen Betreuung, Industriesalon, Archiv-70009.

[7] Vergl. WF-Sender Nr. 31, 4. Augustausgabe 1976, S. 4.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von WF-Museum

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen