Aus der Geschichte des WF, Folge 1

Aus der Geschichte des WF, Folge 1

Das LKVO, die Keimzelle des späteren Werks für Fernsehelektronik (WF)

In der Ostendstraße 1-5 hatten sich zu Ende des 2. Weltkriegs mehrere Elektrofirmen befunden. Telefunken betrieb hier seit 1936 eine Servicestelle für Rundfunksender und –empfänger, AEG hatte Ende der 1930er Jahre auf dem Gelände die Röhrenfabrik Oberspree (RFO) und den Fernmeldekabel- und Apparatebau Oberspree (FAO) eingerichtet. In dem Ende der 1930er Jahre an den Peter-Behrens-Bau angebauten Gebäude der RFO fand das Labor, Konstruktionsbüro und Versuchswerk Oberspree [LKVO] seine Heimstätte.
Schon bald nach der Gründung des LKVO wurde auch eine Fertigung für Versuchsmuster aufgenommen, teils mit vorgefundenen Geräten, teils mit vor Juni 1945 von den Sowjets aus dem Elektrobetrieben in den westlichen Sektoren mitgenommenen Maschinen und Geräten. Es wurden auch Geräte und Maschinen neu im LKVO gebaut.
Zu der breiten Produktionspalette gehörten auch zahlreiche Typen von Elektronenröhren, darunter Röntgenröhren für die Industrie.

Bereits Anfang 1946 wurde der  Geschäftsbericht für das Jahr 1945 des LKVO verfasst:

„Das Unternehmen Labor, Konstruktionsbüro und Versuchswerk Oberspree [LKVO] in Berlin-Oberschöneweide, Ostendstr. 1-5, wurde am 1. August 1945 auf dem Gelände der ehemaligen AEG Röhrenfabrik Oberspree […] gegründet.
Die Maschinen und Einrichtungen wurden im Wesentlichen von der Roten Armee aus der Kriegsbeute dem Unternehmen zur Verfügung gestellt.
Das erste Geschäftsjahr umfasst nur 5 Monate und stand im Zeichen des Aufbaues von LKVO zu einem modernen Forschungs- und Entwicklungsbetrieb auf dem Gebiete der Röhren- und Geräte-Technik. Eine kleinere Fertigungsabteilung zur Herstellung von Kleinserien und Einzelanfertigungen ist dem Forschungs- und Entwicklungsbetrieb angegliedert. Infolge der Dringlichkeit der vorliegenden Aufgaben musste bereits einen Monat nach der Gründung des Unternehmens mit der Bearbeitung zahlreicher Entwicklungsaufgaben begonnen werden. Parallel hierzu liefen die Instandsetzungsarbeiten am Gebäude, die maschinelle Einrichtung, die Installation usw., so dass an alle Mitarbeiter höchste Anforderungen gestellt werden mussten.
[….]
Durch die gute Zusammenarbeit zwischen den Herren russischen Offizieren und der Geschäftsleitung sowie der vollen Einsatzbereitschaft der gesamten Belegschaft wurden die mit jedem Neuanlauf eines Werkes verbundenen besonderen Schwierigkeiten im Geschäftsjahr 1945 überwunden. Alle Teile sind weiter unter Einsatz ihrer ganzen Kraft bemüht, ein erfolgreiches Arbeiten auch im neuen Geschäftsjahr sicherzustellen.“

War das LKVO im August mit 39 Mitarbeitern gestartet, so zählte es Ende 1945 bereits 816 Mitarbeiter, davon 340 Angestellte.

Von August bis Dezember 1945 erzielte das LKVO einen Umsatz von 576.000 Reichsmark, davon gut die Hälfte durch Lieferungen an die sowjetische 7. Hauptverwaltung, die das LKVO im sowjetischen Sektor von Berlin gegründet hatte. Eine wichtige Einnahmequelle war der Verkauf von Halb- und Fertigwaren, die noch aus den Beständen der AEG im Werk vorhanden waren.

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