Röhren für die Republik aus dem Werk für Fernsehelektronik (WF), Folge 49

Röhren für die Republik aus dem Werk für Fernsehelektronik (WF), Folge 49

Die Colorskop – eine Röhre, die die Republik nicht wollte

1960 präsentierte Dr. Peter Neidhardt, seit 1954 Leiter der Abt. Farbfernsehen, das Ergebnis seiner Forschungs- und Entwicklungarbeiten, die B 43 G 4 C, kurz Colorskop genannt. Neu war an dieser Bildwiedergaberöhre vor allem die von Neidhardt und seinem Team entwickelte Lochmaske. Es gab sogar auf dem Gelände des WF eine kleine Fabrikationsstraße, in der insgesamt gut 160 Farbbildröhren hergestellt wurden. Ungefähr zeitgleich mit Walther Bruch, der auch kurze Zeit im OSW gearbeitet hatte, hatte auch die DDR ein eigenes Farbbildröhrensystem entwickelt, nur – anders als in der BRD – wurde diese Erfindung nicht weitergeführt. Da nicht im Plan vorgesehen, fühlte sich die DDR nicht in der Lage, diese eigenständige Entwicklung für das künftige Farbfernsehen weiter zu verfolgen. Das Colorskop ging nicht in die Serienprodukt, Neidhardt verließ 1961 im Streit das WF, und die ersten Farbfernseher in der DDR für das ab 1969 ausgestrahlte Farbfernsehen wurden mit Farbbildröhren aus der UdSSR ausgestattet, die nicht gerade zuverlässig arbeiteten. Ab 1984 wurden dann in der DDR Farbbildröhren im WF hergestellt mit einer Technologie, die Toshiba geliefert hatte. Neidhardts Entwicklung geriet in Vergessenheit. Nur noch sein Abschlussbericht und ein Exemplar des Colorscops im Industriesalon zeugen von der Chance, die die DDR hier verpasst hatte, eine eigene Lösung auf den Markt zu bringen.

Gesamtansicht des im Industriesalon ausgestellten Colorskops von der Seite

Ende des Kolbens mit dem System.

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